Traumberuf Privatdetektiv?

Vor allem Jungs träumen in ihrer Jugend oft davon, einmal ein Privatdetektiv zu werden. Sie können sich gar nichts Schöneres vorstellen, als den ganzen Tag hinter Verbrechern her zu jagen, jeden kniffligsten Fall aufzulösen und von allen Kunden für ihre Leistungen bewundert zu werden. Sie haben, wenn sie über ihren zukünftigen Beruf nachdenken, jenes Bild vor Augen, das die Medien vom Beruf Privatdetektiv vermitteln. In der Flimmerkiste sind Privatdetektive immer etwas schrullige Persönlichkeiten, manchmal auch schwierige Charaktere. Dennoch bringen sie höchste Leistungen, wenn es darum geht, für ihre Kunden die schwierigsten Aufgaben zu lösen. Selbstredend gehört es im TV auch dazu, der Polizei, gleich welchen Staates, immer eine Nasenlänge voraus zu sein, und den Beamten stolz den Mörder, Dieb oder Betrüger zu überführen. Begonnen beim eingefleischten Junggesellen Josef Matula, bekannt aus Ein Fall für Zwei, über den Casanova Magnum, bis hin zum phobischen, schrulligen Monk, natürlich nicht zu vergessen den Star-Anwalt und Detektiv Lenßen mit seinen Partnern: würde man das Berufsbild Privatdetektiv nach diesen Vorbildern beschreiben, wäre dies mit Sicherheit eine Themenverfehlung.

Privatdetektiv ist ein Traumberuf für all diese Menschen, die die Geduld mitbringen, besonders gründlich zu arbeiten, auch wenn man dabei langatmige Wartezeiten in Kauf nehmen muss. So spektakulär, wie die Fälle im Fernsehen auch sind, haben sie mit der realen Welt nur sehr selten etwas zu tun. Sicher sind nicht alle Personen, mit denen es ein Privatdetektiv während seiner Arbeit zu tun bekommt, lautere Bürger, die sich an alle Gesetze halten. Grausame Mörder, denen die Detektive in halsbrecherischen Verfolgungsjagden hinterher rasen, treffen sie dennoch eher selten an. Ein Privatdetektiv liefert seinem Kunden Fakten, die dieser selbst nicht herausfinden könnte. Natürlich begeben sich die Ermittler auch auf die Suche nach gestohlenem Schmuck, verschwundenen Bildern, und anderen entwendeten Wertgegenständen. Hierbei müssen sie notgedrungen auch in die halbdunkle Szene abtauchen, um zum Beispiel bei Hehlern nach den gesuchten Gegenständen zu forschen. Mord und Totschlag ist jedoch nicht das tägliche Brot vom Privatdetektiv.

Über jeden einzelnen Schritt, den der Privatdetektiv während seiner Ermittlungen geht, muss er genauestens Bericht erstatten. Nicht nur, um dem Kunden Auskunft erteilen zu können, sondern auch, um detailliert abrechnen zu können, ist diese Dokumentation unabdingbar. So verbringt der Detektiv nur einige Zeit am Tag mit seiner Ermittlungen, während die andere Zeit seiner Arbeitsstunden mit dem Anfertigen von Protokollen und Berichten vergeht. Der gesamte Beruf ist also eine Mischung aus Verwaltungsarbeit und Recherche.

Spannend ist es auch, zu erfahren, was ein Privatdetektiv während seiner Arbeit an Arbeitsmitteln verwendet. Richtmikrofone, die Unterhaltungen aus einer größeren Entfernung aufzeichnen, hochwertige Kameras mit viel Zubehör, aber auch Videoüberwachung und Abhörsysteme gehören zu den Arbeitsmitteln des Detektivs. Das berühmte Diktiergerät, welches jeder Fernseh-Detektiv bei sich hat, dient dazu, sich Notizen machen zu können, ohne dafür einen Zettel und einen Stift zu brauchen. Von dieser Kassette kann der Ermittler dann seine Berichte anfertigen, da er chronologisch geordnet alle wichtigen Details noch einmal abfragen kann. Der stimmige Bericht wird dann an den Kunden ausgehändigt, danach erfolgt die Abrechnung die Dienstleistung. Natürlich darf ein Privatdetektiv nur so lange an einem Fall arbeiten, wie der Kunde dies wünscht. Schließlich muss das Detektivbüro jede Leistung in Rechnung stellen; das genaue Budget wird vorher besprochen.

Für all jene, die vom Berufsbild Privatdetektiv eine falsche Vorstellung haben, lohnt es sich, einmal genaue Informationen über das wirkliche Leben eines Ermittlers einzuholen. Für Jugendliche gibt es die Möglichkeit, in einem berufsvorbereitenden Praktikum einmal in einem Detektivbüro einen Schnupperkurs zu absolvieren. Wenn sich bei diesem Praktikum herausstellen sollte, dass man ein völlig falsches Bild aus den Medien für sich gewonnen hat, kann man sich immer noch anders orientieren und einen anderen Beruf für sich wählen. Vielleicht stellt sich aber heraus, dass Privatdetektiv wirklich genau das Richtige sein könnte.